l.a. für alle!

21 November 2005

Sonntag Vormittag, 20.11. - Downtown Fashion District













Freier Tag = LA Unternehmungstag!

Mutig haben wir uns noch einmal in das Downtown Abenteuer gestürzt und sind in den Fashion District gefahren, haben also die gefühlte Grenze zu Mexico überschritten. Diesmal nach 8 Wochen LA endlich mal die blendende Idee gehabt, über den Freeway zu fahren, was die Fahrtzeit nach Downtown um die Hälfte verkürzt hat. Trotzdem fahre ich lieber die großen Boulevards entlang, ich könnte hier stundenlang nur aus dem Fenster gucken, jede Ecke ein kleines Universum.

In Downtown war es voll und heiss. Es ist so seltsam hier so viele Menschen auf den Strassen zu sehen, sonst ist immer alles leer und das Leben findet erst wieder auf den Parkplätzen der Malls oder Zuhause statt.Downtown ist nicht amerikanisch, es ist südamerikanisch.Leider hält der Fashiondistrict nicht das, was der Name verspricht,ist eher ein Trashiondistrict, alles ganz furchtbar hässlich.Plastik Handypuppen, BlingBling Uhren, Glitzeroberteile, Gangsternachthemden und einfach so viel billiger Scheiss. Das Geschmackvollste waren noch die gefälschten Guccitaschen und die wurden überall ganz fix in große schwarze Tüten gepackt, weil von irgendwo die Nachricht durch die Gassen ging, dass wieder Kontrolleure unterwegs waren. In einem Laden haben gerade 2 Autoritätsmenschen sämtliche "Marken" Sonnenbrillen eingesammelt, aber viel scheint den Verkäufern nichtzu passieren, so unbekümmert, wie das Zeug präsentiert wird. Nur mit den gerippten DVDs sind sie vorsichtiger, die gibts nur hinter dem Auto und in kleinen Mengen.

Aber es ist spannend! Eine völlig andere Welt, andere Kultur, gedrängte Gassen, alles schreit, drängt, verkauft irgendwas, sei es im Stand, auf dem Boden, aus dem Einkaufswagen. Halbkaputte Plastikmodells tragen neuste Neonfarben, Stoffberge quellen aus den dunklen Ladenkammern, Kinder schreien, Plastikdackel bellen, der Duft von in Bacon gewickelten Hotdogs und Chili liegt in der Luft und letzterem haben wir uns gleich mal hingegeben. Leckerer Fleisch-Brötchen-Mayo-Brei und auch dort wieder diese teuflisch scharfen Bell Peppers dran, aber es war gerade noch erträglich.

Von einer mexikanischen Omi, die mir mit ihrem kleinen Wagen entgegengekommen ist habe ich etwas Obst gekauft. Sie fragt etwas, lächelt, ich verstehe nichts, lächle auch und nicke, sie streut weißes Pulver auf das Obst. Fragt weiter, ich nicke weiter, sie streut rotes Pulver auf das Obst. Fragen, nicken, abschließend ein paar Spritzer Saft. Jetzt wollte ich doch mal wissen, was das alles ist, aber sie lächelte wieder nur, "No english, sorry" und so kam ich das erste Mal in den Genuss von Obst (Melone, Ananas, Mango), Kohlrabi und Gurke mit Salz, Chilli und Zitonensaft. Quite Interesting.

Nach 3 Stunden im Gewühl war ich dann doch sensorisch ein wenig overdosed, Hitze, Lärm, Gedränge und wir sind durch die Hochhausschluchten zurück zum Auto. Downtown ist sehr unwirklich. Die ganzen alten Häuser atmen noch den Glamour der 20er Jahre, Art Deco Verschnörkelungen und pompöse Eingänge mit Marmorfluren, alles schattig, die wenigen Bäume brechen die Bürgersteige auf, die Etagen stehen leer, die Fenster sind blind und zwischen diesen schlafenden Riesen toben die schrillpinken Plastikspielzeuge der Verkaufstände und schieben sich die Menschenschlangen.

Einige Strassenzüge werden gerade wieder zum Leben erweckt und ich bin so gespannt, was daraus wird. Die Lofts werden für 1000$ im Monat vermietet (soviel zahlen wir auch für unser Zimmer)und müssen wunderschön sein. Hohe Decken, riesige Atelierfenster und frisch renovierte Lobbies, die zwischen dem allgemeinen Downtowngrau hervorblitzen und von Securities bewacht werden.Downtown fasziniert mich, es ist wie eine untergegangene Welt, Endzeitbilder, deren Schätze unter all dem Staub entdeckt werden können und bestimmt spannende Geschichten zu erzählen hätten. Manchmal muss man nur nach oben gucken, um die tollen Fassaden zu entdecken, die alten Hotelschilder in rotgoldenen Kacheln, die geschlossenen Bars. Es gibt eine Führung durch die alten Movietheater dort, das will ich unbedingt machen. Früher war dort auch der Jewelery und Bank District, also alles wild glamourös, manchmal würde ich mich gerne zurückbeamen, wenn ich das alles so sehe.

Es werden auch dauernd Filme dort gedreht, dann ist eben die Strasse für ein paar Wochen gesperrt, aber das gehört hier dazu. Vielleicht ist es ja in 5 Jahren aufgeblüht und wenn ich eine Greencard gewinne (ich bewerbe mich einfach mal) dann wohne ich mal da...