l.a. für alle!

01 Dezember 2005

26/27.11 - Beer and Floating in Las Vegas

"LAAAAAAS VEGAS!" (Zit. Manuel Muerte, bitte den entsprechenden erwartungsvollen Enthusiasmus geistig hinzufügen). Sehr spontane und brilliante Idee von Kamal, gleich nach dem Aufstehen haben wir uns in unsere klapprige Kiste gesetzt, Wasser für die Wüstenfahrt besorgt und sind los Richtung Las Vegas. Wegbeschreibung: Pico, 10er, dann 15er. Sehr schön ist das hier, immer alles geradeaus und man braucht keine Karten.Der Weg war sehr schön, tolles Licht und endlose Westernfilmweiten beim Durchqueren der Mojavewüste. Irgendwie war es aufregend, der erste größere Ausflug mit dem eigenen Auto, welch ungekannte Freiheitsgefühle da aufkommen. Karl May hats getroffen, auch wenn er nie hier war. Ach Winnetou, ich sehe dein schwarzes Haar förmlich am Fenster unseres Chrystlers vorbeifliegen... auf dem Weg gab es noch eine tolle Werbeaktion im Radio, 2 kostenlose Übernachtungen im 5 Sterne Hotel in Vegas, wenn man ein romantisches Pärchen ist und zusammen wohnt. Da haben wir gedacht, Mensch das passt doch, amerikanischer Pass war auch da und wir haben sie gewonnen. Leider nicht sofort, aber dann müssen wir eben nochmal hinfahren.

Nach 300 Meilen, 2 Bagels und 1 1/2 Tankfüllungen erreichten wir um 17h endlich das El Dorado aller spielsüchtigen Trailerparkbewohner. Ähnlich einer blinkenden Lichtoase liegt es hinter einem Hügel in der Wüste und der Freeway geht mitten durch. Schon als wir die Grenze Nevadas überquert hatten wucherten überall am wüstigen Wegesrand kleine Las Vegas Metastasen, Vorboten dieses sündigen Automatentumors. Am Frank Sinatra Drive sind wir dann eingebogen und haben versucht irgendwo im Schilderwald ein symphatisches (billiges) Hotel zu finden. Wir waren erstmal total erschlagen, Las Vegas ist einfach zu viel. Kann man ganz generell so sagen, zu viel, von allem. Zu viel Menschen, Schilder, Licht, Autos, Werbung,Konsum, Porno, Hotels, Auswahl. Selbst der Wind war hier zu viel und ebenso die Kälte. Wir hatte nmit Wüstenhitze gerechnet und schön die Winterpullis wieder ausgepackt und waren etwas erfroren. Im ersten Hotel haben wir uns gleich verlaufen und wurden von Werbemenschen mit Pärchensonderangeboten umgarnt (hier MUSS man aber immer einen gemeinsamen Wohnsitz haben, weil, getrennt wohnen und echte Liebe das geht so nicht) so dass wir geflohen sind.

Im wunderhübschen Stardust gab es ein Bienenwabenzimmer für uns, nicht zu teuer und gleich mit extra vielen Coupons auf dem Tisch. Wow. Man spart hier soviel, eigentlich müsste man am Ende des Monats Gewinn gemacht haben, bei den ganzen Total-Value,buy-10-get-50-free Savings, die es hier immer gibt. Es ist ein Wahnsinn.Aber
es funktioniert. Guckt euch so zwei vorbildlich kultivierte Menschen wie Kamal und mich an, was machen wir? Nicht so viel Hunger, aber erstmal Steak AND Lobster Dinner, weil´s ja 3$ billiger ist. Und natürlich ein Bier, in Las Vegas darf man öffentlich Alkohol trinken, welch Genuss. So saßen wir dann friedlich kauend zwischen Plastikpalmen, Wandgemälden, 5 Servicemenschen pro Tisch und weinenden Pärchen im Tahiti-Südsee Restaurant und haben uns das Steak schmecken lassen, das wahrscheinlich im Sweatshop in Pakistan von hungernden blinden muslimischen Kindern handgezüchtet wurde und die Welt war bunt. Schön ist das, ein ewiger Südseefrühling.

Mit einem weiteren Bier gewappnet haben wir uns dann durch Las Vegas treiben lassen (Get it, Bier und treiben lassen? Beer and Floating? Fear and Loathing? In Las Vegas? Wow. Ich könnte mich augenblicklich in einen Haufen glühender Asche verwandeln vor lauter unglaublich originellen Geistesblitzen )ähm, ja, und sind den Strip lang gefröstelt. Vom Klingeln der Kassen angelockt sind wir ins Circus Circus eingekehrt und haben mal hier und da eine Münze eingeworfen und irgendwelche Knöpfe gedrückt. War so mittel erfolgreich.

Naja, so sind wir von einem Casino zum nächsten gezogen, kurz vor der Frustrationsgrenze, als ich 5$ eingeworfen hatte und , tataaa, todesmutig den Bet Max Knopf gedrückt habe. Klingkling kling, fielen die Spielzeugmünzen und ich habe ganze 70$ gewonnen! Ich konnte es kaum glauben, einen ganzen Becher voll Riesenmünzen. Ein Handvoll ging an Kamal, eine weiter Handvoll habe ich gleich wieder reingeworfen, nochmal 20 gewonnen aber irgendwie auch 15 verspielt. Dann lieber doch noch den letzten Rest Verstand zusammengekratzt und das Spielzeug Geld in echts gewechstelt und weitergezogen.Am Ende des Strips (wir sibnd natürlich erstmal in die falsche Richtung gelaufen) wurden wir von einem 1A kostümartigen Securitiy darauf hingewiesen, dass wir in ein Ganggebiet laufen und schleunigst umdrehen sollen und wo war er stationiert: in Darmstadt. Die Welt ist klein. Nach dem wir durch alle interassant aussehenden Casinowelten einmal kurz durchgelaufen sind, uns fast in den Plastikwelten verloren haben sind wir um 02h sehr verfroren mit dem Bus nach Hause ins Stardust gefahren und ins Bett gefallen.

























Am nächsten Morgen mussten wir früh auschecken und haben uns auf die Suche nach einem Frühstücksbuffet gemacht, aber das gibt es nicht. Alle Hotels haben 100 Restaurants an ihren künstlichen Innenstadtplätzen, Mc Donalds, italienisch, chinesisch, alles. Aber es gibt kein Frühstück.Auf dem Weg haben wir versucht mein Glück von gestern zu wiederholen, und immer mal wieder ein paar Münzen in Automatenrachen verschwinden lasssen, aber es wollte einfach nicht mehr.Das nervt dann doch schnell und am Ende habe ich echt alles wieder verspielt. Aber zum Glück nichts verloren, das ist in Vegas schonmal eine Leistung...Auf unserem Spaziergang zwischen den tagsüber noch so unspektakulär wirkenden Kasinos haben wir noch fleissig Sexwerbekarten eingesammelt und bestaunt, wie gnadenlos die Martkwirtschaft auch hier zuschlägt. Wir wollten ein Memory zusammenbekommen. Oder besser ein Quartett. Michele, 59$ aber Jenny sticht mit Full service für nur 49$. Oder die Sonderangebote: 1 girl 49$, 2 girls 69$ aber, Achtung, Trumpf: 3 Girls only 99$. Wow. Mehr Spielspass als jedes Rennauto-Quartett.Und die bestechende Ästhetik der Bilder, mindestens Prädikat schmerzvoll, schaumbadende Nixen, Boticellis Venus gleich, trickreich verdeckte Intimzonen, Designmeisterwerke. Ach, das war alles so aufregend...


Um 18h haben wir uns aufgemacht um 5h im Stau zu stehen, aber wir sind um 1h
nachts sicher angekommen, was mit unserem Schrottauto ein Wunder war!






Viva Las Vegas! Viva America!